Bei uns steht hier die Integration des ganzen Menschen im Vordergrund, d.h. seine ganzheitliche, körperlich, seelische und geistige Entwicklung. Mit den Techniken der asiatischen Kampfkunst wird die Intelligenz des Körpers genutzt um die Integration von Körper, Seele, Geist zu erreichen, man übt mit Kopf, Herz und Verstand.
Das bedeutet, dass nicht der Sieg über einen Gegner im Fokus liegt, sondern der Weg dorthin - in Bezug auf das Kämpfen geht es um die Entwicklung eines gefühlten und gelebten Zustandes, in dem man durchaus immer bereit ist zu kämpfen, es aber möglichst nie tut. Ein Motto der Kampfkunst lautet „Kämpfen lernen um nicht kämpfen zu müssen bzw. „ Siegen ohne zu kämpfen". Das bedeutet die Kampfkunst als Lebenseinstellung und damit als Lebensweg, denn wer seinen Körper wirklich spürt und sich aus der Mitte heraus bewegt lebt mit sich und der Welt im Einklang. Taiji ermöglicht es, sich für neue Erfahrungen zu öffnen und mit mehr Leichtigkeit im Hier und Jetzt zu leben – zentriert, geerdet, präsent.
Je umfassender wir unseren Körper fühlen können, und Zugang zu der eignen Körperintelligenz bekommen, desto einfacher ist es mit Leichtigkeit und Lebendigkeit zu leben.
Im Taiji wird der Einzelnen auffordert und unterstützt, sein Inneres (Persönlichkeit, Gefühle, Werte, Ideen, etc.) und sein Äußeres (Aktivitäten, Einfluss auf andere, eigene Reaktionen, etc.) besser kennen zu lernen und aus diesem Wissen heraus zielorientiert, selbstbestimmt und selbstbewusst zu handeln.
Es geht um die ständige Bereitschaft, sich zu verändern und an sich zu arbeiten. Durch körperliche und geistige Übungen sowie „innerer Achtsamkeit“ und der damit einhergehenden Wahrnehmung des jeweiligen Ist-Zustandes wird eine ständige äußere und innere Weiterentwicklung möglich. Ziel ist es den Körper zu spüren und den Geist zu beruhigen.
Während die äußeren Kampfkünste (wie z. B. die meisten Shaolin-Kampfkünste oder auch das Karate) die Entwicklung von Geschicklichkeit, Muskelkraft und/oder Geschwindigkeit voraussetzen, basieren die inneren Kampfkünste auf der daoistischen Idee, dass Hartes durch Weiches besiegt werden kann, weil es diesem keinen direkten Widerstand entgegensetzt. Um diese Idee umzusetzen, werden beim Üben der inneren Kampfkünste die folgenden Prinzipien beachtet:
Damit diese Prinzipien umgesetzt werden können, werden die Bewegungen zumindest anfangs meistens auch langsam geübt
Eine zentrale Rolle bei den inneren Kampfkünsten spielt das Konzept des Qi. Durch das Üben der inneren Kampfkünste nach den oben beschriebenen Prinzipien soll der Übende in zunehmendem Maße in der Lage sein, das Qi wahrzunehmen und schließlich zu kontrollieren. Das Qi wird von vielen Praktizierenden als eine Art Energiefluss beschrieben, den man im Körper zirkulieren lassen kann.
Da die Wahrnehmung und Kontrolle des Qi kein rein körperlicher Prozess ist, betonen die inneren Kampfkünste stark den geistigen und meditativen Aspekt. Das Qi soll einerseits im Kampf anwendbar sein, und andererseits der Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheitsförderung dienen. Bei einem Meister der inneren Kampfkünste soll das Qi und seine innere Ruhe so deutlich sichtbar werden, dass er seine Kampfkunst nie anwenden muss, da niemand mit ihm kämpfen will.